Steckdosen und Schalterrahmen vergilbt – aufhellen oder tauschen?

Es gibt kaum etwas, das in einem frisch renovierten oder gepflegten Raum so deplatziert wirkt wie vergilbte Steckdosen und Schalterrahmen. Die Wände frisch gestrichen, der Boden neu, und dann diese gelblich-beigen Rahmen, die die ganze Wirkung untergraben. Oder man zieht in eine neue Wohnung und merkt schon beim Einzug: Die müssen irgendwann erneuert werden.

Die Frage ist nur, ob „erneuern“ durch Aufhellen oder durch Austauschen passieren soll.

Warum Steckdosen und Schalterrahmen vergilben

Steckdosen- und Schalterrahmen bestehen fast ausschließlich aus ABS oder ähnlichen Thermoplasten. Die Vergilbung entsteht durch die bekannte Kombination aus UV-Einfluss und Flammschutzmitteln im Material – manchmal beschleunigt durch Wärme von angrenzenden Geräten oder durch Nikotin in der Raumluft.

Ein Detail, das oft nicht bedacht wird: Steckdosenrahmen sitzen direkt an der Wand, häufig nah am Boden oder in Bereichen mit wenig Luftzirkulation. Dort sammelt sich Staub, der sich mit minimalen Fettablagerungen verbindet und den Gelbton zusätzlich verstärkt.

Die ehrliche Abwägung

Bevor man anfängt, irgendwelche Mittel aufzutragen, lohnt sich eine kurze Überlegung.

Für das Aufhellen spricht: Man hat viele gleichartige Rahmen in einer Wohnung, die optisch zusammenpassen sollen. Austausch aller Teile wäre aufwendig oder kostspielig. Die Vergilbung ist noch nicht zu extrem.

Für den Austausch spricht: Einzelne Rahmen aus einem Standardsystem kosten wenige Euro. Das Ergebnis nach dem Austausch ist garantiert – makellos weiß, ohne Bedenken wegen Resttönen oder Ungleichmäßigkeiten. Bei sehr stark vergilbten Teilen ist der Tausch oft schneller erledigt als eine gründliche Behandlung.

In vielen Fällen ist der pragmatischste Weg eine Kombination: Rahmen mit leichter oder mittlerer Vergilbung aufhellen, stark vergilbte einzelne Exemplare austauschen.

Wie man Steckdosenrahmen aufhellt

Rahmen abnehmen

Steckdosenrahmen lassen sich bei den meisten gängigen Installationssystemen einfach abknipsen oder abziehen – kein Werkzeug nötig. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber fest verbauten Teilen: Man kann den Rahmen separat behandeln, ins Licht stellen und gleichmäßige Ergebnisse erzielen.

Die Unterputzdose und die eigentliche Steckdose oder den Schalter selbst nicht behandeln.

Schritt-für-Schritt

  1. Rahmen abnehmen und mit mildem Reinigungsmittel oder Isopropanol von Schmutz und Fettfilm befreien.
  2. Wenn Nikotin im Spiel ist (Tuch mit IPA verfärbt sich gelblich): erst gründlich mit Isopropanol reinigen, trocknen lassen.
  3. Backpulverpaste anrühren, dünn auftragen, 20 Minuten einwirken, mit weichem Tuch abreiben – für leichte Vergilbung oft ausreichend.
  4. Für stärkere Vergilbung: 3-prozentige Wasserstoffperoxid-Lösung auftragen, Rahmen ins Tageslicht legen, 1 bis 2 Stunden einwirken lassen, abspülen.
  5. Trocknen lassen, wieder einsetzen.

Was nicht funktioniert

Scheuermilch und raue Schwämme hinterlassen Kratzer, die dauerhaft sichtbar sind – Steckdosenrahmen haben oft eine leichte Struktur, die durch Kratzer zerstört wird.

Chlorbleiche ist auch hier keine Option: Sie greift das Material an und kann einen matten, beschädigten Fleck hinterlassen.

Steckdosen mit YouTube-Aufbereitung

In Google-Bildern tauchen gelegentlich YouTube-Videos auf, die zeigen, wie Steckdosen aufbereitet werden. Die meisten davon basieren auf Wasserstoffperoxid – mit gutem Grund, denn für ABS-Kunststoff ist das tatsächlich die wirksamste Methode. Das Vorgehen entspricht im Wesentlichen dem oben beschriebenen.

Wer sich für den Hintergrund interessiert, warum genau ABS-Kunststoff so stark auf diese Behandlung anspricht, findet die Erklärung im Artikel ABS-Kunststoff vergilbt – warum ist dieses Material so anfällig?.