Wer einen alten Amiga, einen C64, eine frühe PlayStation oder einen Drucker aus den Neunzigern besitzt, kennt das Problem aus erster Hand. Das Gehäuse, das einmal in einem neutralen Graubeige oder Cremeweiß gehalten war, hat sich in ein unansehnliches Gelb verwandelt. Manchmal gleichmäßig, manchmal fleckig – je nachdem, welche Seite dem Licht zugewandt war.
Das ist kein Schmutz. Es lässt sich nicht einfach abwischen. Und trotzdem kann man in vielen Fällen sehr viel dagegen tun.
Warum es bei Elektrogeräten besonders ausgeprägt ist
Elektrogerätegehäuse aus den siebziger, achtziger und neunziger Jahren bestehen überwiegend aus ABS-Kunststoff. Dieser enthält bromhaltige Flammschutzmittel – damals Pflicht für elektrische Geräte – die unter UV-Einfluss oxidieren und die charakteristische Gelbverfärbung verursachen. Geräte, die jahrelang auf einem hellen Schreibtisch standen oder in der Nähe von Fenstern betrieben wurden, vergilben deutlich stärker als solche, die im Schrank lagen.
Das erklärt auch ein Phänomen, das viele Sammler kennen: Zwei baugleiche Geräte, eines aus einer Sammlung, das andere aus einem Keller – optisch Welten voneinander entfernt. Das Keller-Gerät ist oft noch deutlich heller, obwohl es genau so alt ist.
Was wirklich hilft: Wasserstoffperoxid und Retr0bright
Für ABS-Vergilbung ist Wasserstoffperoxid die wirksamste frei verfügbare Methode. Das Prinzip ist einfach: 3-prozentige H₂O₂-Lösung auf das Gehäuse auftragen, das Teil dann ins Licht stellen – die Reaktion braucht UV-Aktivierung, um vollständig abzulaufen.
Für Elektrogerätegehäuse hat die Community über die Jahre eine bewährte Praxis entwickelt, die unter dem Namen Retr0bright bekannt ist. Es gibt verschiedene Varianten – flüssiges Auftragen, Gel mit Xanthan für gleichmäßigere Haftung, oder das vollständige Einlegen kleiner Teile. Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung steht im Artikel Retr0bright selbst anwenden.
Zerlegen lohnt sich fast immer
Bei Elektrogeräten sollte man vor der Behandlung unbedingt zerlegen, was sich zerlegen lässt. Das hat mehrere Gründe:
Erstens: Tastaturen, Seitenteile und Gehäusedeckel lassen sich einzeln behandeln und ins Licht stellen – das liefert deutlich gleichmäßigere Ergebnisse als ein zusammengebautes Gerät, bei dem manche Flächen im Schatten liegen.
Zweitens: Aufkleber, Etiketten und Gummifüße sollten während der Behandlung nicht mit Wasserstoffperoxid in Kontakt kommen. Aufkleber können sich ablösen, Gummi wird durch H₂O₂ angegriffen. Wer die Teile vorher abmacht oder abklebt, vermeidet unschöne Überraschungen.
Drittens: Platinen, Leiterbahnen und elektronische Komponenten dürfen auf keinen Fall nass werden. Nur die Kunststoffgehäuse werden behandelt – niemals das offene Gerät.
Fleckige Ergebnisse vermeiden
Ein häufiges Problem bei der Erstbehandlung: Die Aufhellung ist ungleichmäßig, weil das Mittel an manchen Stellen schneller getrocknet oder die Sonneneinstrahlung ungleich war. Dann hat man eine Art Fleckenmuster.
Das lässt sich verhindern, indem man das Mittel gleichmäßig und in ausreichender Menge aufträgt, das Teil regelmäßig dreht, falls es nicht vollflächig dem Licht ausgesetzt ist, und bei der Gel-Variante Frischhaltefolie verwendet, die das Austrocknen verlangsamt.
Falls doch Flecken entstehen: Ein zweiter Behandlungsdurchgang gleicht das in den meisten Fällen gut aus.
Nach der Behandlung
Erfolgreich aufgehellte Gerätegehäuse sollten danach mit einem UV-Schutzlack versiegelt werden. Die Flammschutzmittel sind im Material noch vorhanden – ohne Schutz setzt die Vergilbung unter Lichteinfluss erneut ein, manchmal sogar schneller als vor der Behandlung. Ein dünner Auftrag eines matten UV-Schutzlacks hält das Ergebnis deutlich länger und verändert das Erscheinungsbild kaum.
Für Sammler und Retro-Enthusiasten ist dieser Schritt eigentlich obligatorisch – es wäre schade, aufwendig restaurierte Geräte ohne Schutz wieder zu vergilben.
